KODE®W

KODE®W

Ein neuartiges
Erfassungsinstrument für das
Werte- und Kompetenzmanagement

Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit ist KODE®W nun einsatzbereit. Dieses innovative Erfassungsinstrument wurde von unserem Entwicklungsteam mit Prof. Dr. John Erpenbeck, Roman Sauter und Prof. Dr. Werner Sauter als integrierter Teil der KODE® Erfassungssysteme konzipiert und umgesetzt. Die Programmierung erfolgte durch Stefan Ortmann, der auch die Kompetenzerfassungssysteme KODE® und KODE®X realisiert hat.

Angesichts unzähliger Persönlichkeitstests und Kompetenzmessverfahren stellt sich die Frage, warum dieses neuartige Erfassungsinstrument benötigt wird. Die Antwort darauf finden wir in der Kompetenzforschung.

 

Werte sind die Kerne von Kompetenzen

Die Erkenntnis „Werte sind die Kerne von Kompetenzen“ bildet das Zentrum unserer Argumentation.[1] Wir können noch so viel Informationen und Sachwissen anhäufen, noch so viele Erfahrungen sammeln, für unser Handeln sind letztlich immer verinnerlichte Werte der persönlichen, menschlichen, sozialen oder kulturellen Situation entscheidend, in der wir handeln.

Werte spielen eine so große, eine so schnell zunehmende Rolle im Zuge der digitalen Transformation, dass wir nicht zögern, von dem Megatrend Wertegesellschaft zu sprechen. Die wichtigste Begründung sehen wir in der emotionalen „Imprägnierung“ des Wissens. Werte selbst werden handelnd erprobt (es ist gut, dass wir so handeln), manchmal auch zu Regeln (das machen wir so) oder zu Normen verdichtet (das wird so gemacht, basta, und wenn nicht ...). Werte werden aber nur wirksam, wenn sie zu eigenen Emotionen und Motivationen verinnerlicht, „interiorisiert“ oder „internalisiert“ werden. Erfolgreiches Handeln setzt entsprechend interiorisierte Werte voraus. Werte „überbrücken“ fehlendes Sachwissen, und machen damit ein Handeln, und damit Kompetenzen, überhaupt erst möglich.

 

Kompetenzen beruhen nicht auf Informationen und Sachwissen

Jeder Versuch, Kompetenzen auf Informationen und Sachwissen zu reduzieren ist verfehlt. Der CEO des größten Handelskonzerns der Welt ‚Alibaba‘ wurde auf dem Weltwirtschaftsforum 2018 in Davos gefragt, wie er – als ausgebildeter Englischlehrer – zum Thema Bildung steht. Ma antwortete überraschend direkt:

Ändern wir nicht wie wir unterrichten, dann haben wir in 30 Jahren große Probleme... Wir können Kindern nicht beibringen, mit Maschinen zu konkurrieren. Das bisherige Bildungssystem basiert darauf, das Wissen der vergangenen 200 Jahre zu vermitteln. Für die Zukunft gleicht das aber einer Bankrotterklärung. Kinder sollen etwas lernen, was Maschinen niemals können und was sie von diesen unterscheidet - auch in Zukunft. Beispielsweise Werte, Überzeugungen, unabhängiges Denken, Teamwork, Mitgefühl – Dinge die nicht durch reines Wissen vermittelt werden. Alles was wir lehren muss unterschiedlich von Maschinen sein. Wenn es Maschinen besser können, müssen wir darüber kritisch nachdenken.“ [2]

Jack Ma benennt damit nicht nur direkt Werte. Auch Überzeugungen, die hoch zu bewertende Unabhängigkeit des Denkens, das wertewichtige Teamwork, das Mitgefühl als eine emotionale Wertekomponente sind unmittelbar wertebezogen. Folgt man dem, sind die Folgerungen unumgänglich.

 

Kompetenzentwicklung beinhaltet zwangsläufig Werteentwicklung

Definiert man Kompetenzen als Fähigkeiten, kreativ und selbstorganisiert zu handeln, lässt sich auf eine ganze Reihe gut ausgearbeiteter und valider Messverfahren verweisen. John Erpenbeck und Volker Heyse haben ein breit bewährtes Verfahrenssystem, das KODE®-KODE®X-System, dazu beigetragen. Werte sind einer Messung noch schwerer zugänglich. Wir haben lange gebraucht, ein solches Verfahren für unsere Zwecke zu entwickeln, und auch international liegen vergleichsweise wenige Methoden vor.[3]

Im Zuge der digitalen Transformation arbeiten die Mitarbeiter immer mehr selbstorganisiert und treffen eigenverantwortlich Entscheidungen. Dabei werden sie mit einer hohen Komplexität und ständig mit neuen, unvorhersehbaren Entwicklungen konfrontiert. Dafür benötigen sie Orientierungen durch Werte, die als Ordner ihres Handelns diese Selbstorganisation erst möglich machen. Deshalb kommt den Werten und dem Wertemanagement in Verbindung mit einem gezielten Kompetenzmanagement eine immer größere Bedeutung zu.

 

Werte sind Ordner, welche die Selbstorganisation des menschlichen Handelns bestimmen oder zumindest stark beeinflussen

Die künftige Arbeitswelt wird deshalb eine Kompetenzwelt sein, in der Werte als Handlungsanker für selbstorganisierte Prozesse mit digitalisierten Systemen dienen. Investoren treffen ihre Anlageentscheidungen zunehmend nicht nur nach dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, sondern achten auch auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Sie erwarten unternehmerisches Handeln im Einklang mit Gesetzen, Richtlinien, Kodizes (Compliance) und Satzungen, also mit dem sozial-weltanschaulichen Wert Norm und Gesetz, aber insbesondere auch mit ethisch-moralischen Werten, wie Verantwortung und Respekt gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft, einschließlich Umwelt- und Klimaschutz, also Nachhaltigkeit. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Union Investment kündigte beispielsweise an, mittelfristig fast das gesamte verwaltete Vermögen nachhaltig anzulegen. Das liechtensteinische Technologieunternehmen Hilti initiiert alle zwei Jahre einen unternehmensweiten Prozess zur Beschäftigung aller Mitarbeiter mit den Werten der Unternehmung. Dass sich dies lohnt, zeigt die Eigenkapitalrendite von Hilti mit 20 %![4]

Eine global angelegte Studie der Strategieberatung Capgemini Consulting[5] hat beispielsweise ergeben, dass 62 % der Teilnehmer einer weltweit durchgeführten Umfrage die etablierte Unternehmenskultur als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer digitalen Organisation sehen. In Deutschland liege der Wert mit 72 % sogar leicht darüber. Ein wesentlicher Grund dafür liegt darin, dass die Digitalisierung und die damit einhergehenden Arbeitsmethoden immer höhere Anforderungen an die Fähigkeiten zum selbstorganisierten Handeln der Mitarbeiter stellen. Da die Mehrheit der Mitarbeiter jedoch in Arbeits- und Lernsystemen sozialisiert wurde, die durch Fremdsteuerung geprägt waren, und ihnen oftmals die notwendige Orientierung für bedarfsgerechtes, eigenständiges Handeln fehlt, fällt es ihnen schwer, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

 

Roman Sauter

 

Die Organisationskultur bildet den handlungsprägenden Rahmen des Wertemanagements

Die Bedeutung der Wertemessung nimmt zu. Dafür sind folgende Gründe maßgeblich: Die Wertemessung

  • erweitert die Möglichkeiten, über organisationale, teambezogene und individuelle Werte nachzudenken und zu sprechen,
  • ermöglicht das Finden einer gemeinsamen Sprache für die Formulierung von Mitarbeiter-, Team- und Unternehmenszielen,
  • zeigt die enge Vernetzung mit Kompetenzen, mit dem Handeln von Einzelnen, Teams und sozialen Strukturen in der Organisation,
  • ermöglicht bisher nicht mögliche Einschätzungen: Welche Organisationswerte erweisen sich als besonders wirkungsvoll und letztlich ertragreich? Welche Werteausstattungen sind für bestimmte Teams günstig, und wann durchkreuzen andere angestrebte Erfolge? Welche Werte machen Menschen erfolgreich und zufrieden, welche lassen sie in Widerspruch zu anderen oder zu den Verhältnissen geraten, fördern oder verhindern die Entstehung notwendiger Kompetenzen?
  • lässt Rückschlüsse von Handlungen auf die Wertetreiber zu.

 

Ein Wertemanagement benötigt eine Werteerfassung

Die Mitarbeiter und Teams leben in ihrer Organisationskultur, reflektieren sie aber oftmals nicht. Konkretisiert wird die Organisations-, Team- und Lernkultur letztendlich in den Handlungen, die sich aus den Werten der Mitarbeiter ableiten. Dies bedeutet für Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften wollen, dass sie ihr Wertemanagement auf allen Ebenen – individuell, teambezogen und organisational –gezielt gestalten.

Was man nicht messen kann, kann man nicht managen

Dieses berühmte Zitat von Peter Drucker[6] bringt es auf den Punkt. Gezieltes Wertemanagement ist nur möglich, wenn ein geeignetes Erfassungssystem für Werte auf der Ebene der Mitarbeiter, der Teams und der gesamten Organisation zur Verfügung steht. KODE®W wird diesem Anspruch gerecht.

 


[1] Vgl. Erpenbeck & Sauter (2019), Fischer (2019)

[2] Ma (2018)

[3] Vgl. Erpenbeck, Sauter (2018)  S. 54-73

[4] vgl. Schoppen W (2019)

[5] Cap Gemini (2019)

[6] wirtschaftszitate.de

 

 

 

 

Herr Prof. Dr. Werner Sauter ist wissenschaftlicher Berater und Senior Consultant der KODE GmbH. Er entwickelt mit Organisationen und Bildungsanbieter innovative Lernlösungen mit dem Ziel der selbstorganisierten Werte- und Kompetenzentwicklung auf Basis der Ermöglichungsdidaktik. Er gestaltet und begleitet Kompetenzentwicklungsmaßnahmen für Learning Professionals und Führungskräfte in einem Social Blended Learning Arrangement. Gemeinsam mit Prof. Dr. John Erpenbeck hat er eine Vielzahl von Fachbüchern zur Werte- und Kompetenzentwicklung veröffentlicht. Auf unserem KODE® Blog veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen Beiträge zu den Themen Corporate Learning sowie Werte- und Kompetenzentwicklung.

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