KODE® im Gespräch

mit Ina Bühren
& Prof. Dr. Olaf Passenheim

Gewinner des 2. Platzes beim
KODE® Best Practice Award 2018

 

Ina Bühren und Prof. Dr. Olaf Passenheim wurden im Rahmen des KODE® Brush Up 2018 mit dem diesjährigen KODE® Best Practice Award ausgezeichnet. Im Interview mit Matthias Koprek sprechen sie über ihren Planspielansatz zur praxisbezogenen und spielerischen Kompetenzorientierung sowie über die Herausforderung, Studierende bereits während der Ausbildung in der Kompetenzentwicklung und im Kompetenzmanagement zu schulen.

 

Herzlichen Glückwunsch zum KODE® Best Practice Award! Wie fühlt es sich an die Trophäe in den Händen zu halten? Was bedeutet Ihnen persönlich die Auszeichnung und welche Bedeutung hat sie für Ihre Hochschule?

Prof. Dr. Passenheim: Herzlichen Dank! Wir haben uns super gefreut. Der Preis kam für uns sehr unerwartet, weil wir ja noch KODE®-Neulinge sind. Wir arbeiten erst seit zwei Jahren mit KODE®, aber dafür ganz intensiv. Wir haben versucht KODE® bei uns in die Lehre zu integrieren, was erfolgreich gelungen ist. Die Studierenden sind ganz begeistert davon. Das stellt uns persönlich und die Studierenden zufrieden. Für die Hochschule ist es deshalb ganz wichtig, weil wir dadurch gelebte Kompetenzentwicklung bieten, was gerade in der Hochschullandschaft immer wichtiger wird. Weg von Wissen hin zu Kompetenzen. Mit KODE® können wir schon in der Ausbildung der Studierenden Kompetenzen vermitteln.

 

Die Jury hat Ihnen den Preis für die "Kompetenzorientierung durch agile Praxisprojekte und Planspielentwicklung" verliehen. Wie genau sieht das in der Praxis aus?

Ina Bühren: Das Konstrukt hört sich erst einmal tatsächlich etwas steif und schwierig an. So schwierig ist es aber eigentlich gar nicht, sondern es entspringt der Lebenswirklichkeit. Es war uns wichtig, dass wir Möglichkeiten für Studierende schaffen, sich bereits im Studium darauf vorzubereiten, was sie später in der Wirtschaft erwartet.

 

Die Studierenden fangen eigentlich damit an, dass sie eine Fallstudie bearbeiten und diese in ein Planspiel transferieren. Durch eine Planspielschablone können wir diese Simulation praktisch für jedes Unternehmen schaffen. Der Ansatz des spielerischen Lernens bietet viele Möglichkeiten, Chancen und Risiken in einem Rahmen abzuwägen, der keine großen Konsequenzen zur Folge hat, weil es eben nur ein Spiel ist.

Aber wir schaffen sehr wohl emotionale Labilisierung. Eben dadurch, dass die Studierenden in den Spielen in die Rolle von Avataren schlüpfen, in denen sie ihre eigene Kompetenzarchitektur verändern. Und wenn sie die Kompetenzen theoretisch aufgebaut haben, gehen wir mit ihnen in ein echtes Unternehmen und machen dort ein agiles Praxisprojekt. Dort müssen sie wiederum eine Fallstudie entwickeln, die dann für die nächste Studienkohorte der Ausgangspunkt eines neuen Planspiels ist.

 

Wie hoch sind das Interesse und die Akzeptanz der Studierenden an diesem Planspiel?

Ina Bühren: Sehr hoch, weil die Studierenden letztendlich dort tatsächlich auch etwas für sich selbst mitnehmen. Sie können sich danach gut selbstreflektieren. Außerdem können sie dort anders als bei Frontalvorlesungen sehr stark ihre eigenen Gedanken und auch ihren eigenen Stil mit einfließen lassen.

Prof. Dr. Passenheim: Genau, die Studierenden sind ganz happy. Vor allem diejenigen, die kurz vor dem Abschluss stehen. Sie können dann in einem Bewerbungsgespräch zum Beispiel ganz konkret sagen: Das sind meine Kompetenzen. Und sie können ihre Kompetenzen belegen, weil sie entsprechend diagnostiziert wurden. Das ist ein großer Vorteil für die Studierenden.

Die Resonanz ist so gut, dass sich die ganze Sache rumgesprochen hat und wir Studierenden von anderen Hochschulen haben – konkret der Hochschule Groningen in den Niederlanden, unsere Nachbarhochschule – mit denen wir dasselbe mittlerweile auch machen.

Das ist ein weiterer Vorteil von KODE®. Wir können es eben nicht nur in Deutsch, sondern auch in Englisch nutzen. Wir arbeiten im selben Rahmen, können aber bereits multikulturelle Aspekte mitberücksichtigen. Deswegen bieten wir den Studierenden Kompetenzentwicklung, Fach-Entwicklung, Sozialentwicklung und eben auch interkulturelle Entwicklung – in Kooperation mit Unternehmen und anderen Hochschulen.

 

Könnten Sie sich vorstellen und würden Sie sich wünschen, dass in Zukunft jeder Studierende, unabhängig von der Hochschule, im Rahmen seines Studiums – zum Beispiel mit Hilfe von KODE® – seine persönlichen Kompetenzen kennen lernt, um entsprechend vorbereitet und ausgerichtet ins Berufsleben starten zu können?

Ina Bühren: Auf jeden Fall. Das entspricht dem Ansatz, den wir hier auch schon auf dem Brush Up besprochen haben. Das Bildungswesen muss sich genau in diese Richtung entwickeln. Das Studium sollte nicht nur der Wissensvermittlung, sondern eben auch und verstärkt der Kompetenzorientierung dienen. Nur so werden die Studierenden perfekt auf das Berufsleben vorbereitet.

Prof. Dr. Passenheim: Wir reden ja ganz viel mit Unternehmen. Die sagen ganz klar, dass der Fachkräftemangel bei ihnen angekommen ist. Deshalb haben viele Unternehmen gar keine Chance mehr, sich ihre Mitarbeiter auszusuchen. Sondern sie müssen die Mitarbeiter nehmen, die sie bekommen. Dabei beklagen die Unternehmen häufig fehlende Kompetenzen, die sie erst einmal teuer entwickeln müssen. Früher konnten sie sich die notwendigen Kompetenzen quasi aus dem Markt herauspicken.

Das heißt, wenn wir heute so etwas flächendeckend anbieten könnten, hätten wir als Hochschule einen Wettbewerbsvorteil auf der Suche nach guten Studierenden und die Unternehmen hätten den Vorteil, dass sie schon wissen würden, wie die Studierenden ticken. Und die Studierenden hätten den Vorteil, dass sie ihre Kompetenzen genau kennen würden. Das wäre eine Win-Win-Win-Situation.

 

Welchen Beitrag können die Hochschulen dazu leisten, dass schon in diesem Ausbildungsschritt die Kompetenzen entwickelt werden?

Ina Bühren: Auch da ist es notwendig, dass wir Möglichkeiten schaffen. So wie wir es eben getan haben, indem wir zwei aufeinanderfolgende Module anbieten und die Studierenden somit fast ein Jahr begleiten. Erst dieser längere Zeitraum ermöglicht überhaupt solche Praxisprojekte mit einem realen Fallgeber zu machen. Das ist das, was eine Hochschule leisten kann und was auch Schule schon vorher in der Bildung leisten müsste. Nämlich sich auch die Zeit fürs Wesentliche zu nehmen. Rein weg von diesem verschulten System, was gar nicht auf Potentiale des Einzelnen angelegt ist, sondern eigentlich auf eine Gleichmachung.

Prof. Dr. Passenheim: Ich glaube dieser Cut zwischen Hochschule und erster Arbeitsstelle sollte wegfallen. Früher wurde von Unternehmen nur verlangt, dass die Studierenden Wissen mitbringen sollen. Kompetenzen wurde eigentlich gar nicht verlangt. Heute beklagen Unternehmen das Fehlen von Kompetenzen und verlangen gleichzeitig, dass das in der Hochschule ausgebildet wird. Wenn wir eine stärkere Vermischung zwischen Unternehmen und Hochschule hinbekommen, könnten wir die verlangten Fach-, Schlüssel- und Sozialkompetenzen schon gezielt in der Hochschule ausbilden.

 

Was für eine Strahlkraft hat der KODE® Best Practice Award Ihrer Meinung nach – auch auf andere Hochschulen?

Ina Bühren: Erstmal ist wichtig das man erkennt, dass alles was man mit Leidenschaft und von ganzem Herzen tut, auch irgendwo und irgendwie eine Resonanz erzeugt. Deswegen sind wir dankbar und freuen uns über die Wertschätzung, die uns durch den Best Practice Award entgegengebracht wird. Man muss ganz klar festhalten, dass die Auszeichnung eine Bestätigung für uns ist, die deutlich macht, dass das, was wir gern und leidenschaftlich tun, auch irgendwo Anklang findet.

Das ist auch gerade für die Studierenden wichtig, die noch sehr jung sind. Auch für sie lautet die Botschaft: Sei einfach mutig und mach das was du denkst. Die Strahlkraft liegt sicherlich auch darin, dass es die Leute zum Reflektieren anreizt und dazu, dass wir darüber nachdenken sollten, was wir gemeinsam entwickeln könnten um Kompetenzen weiter in den Fokus zu rücken.

Prof. Dr. Passenheim: Genau. Und ich denke auch, dass gerade solche Events wie dieses dafür ganz wichtig sind. Wir haben heute Kolleginnen und Kollegen von anderen Hochschulen kennengelernt. Wir haben Praxisvertreter kennengelernt. Haben unser Wissen geteilt. Haben positive Resonanz und super Tipps sowie Hinweise bekommen, wo wir noch besser werden und uns weiterentwickeln könnten. Ich freue mich auf die nächsten Monate. Wir werden da viel mit Kolleginnen und Kollegen sprechen und unsere Idee weiterentwickeln. Und dann hoffe ich, dass wir die Idee der Kompetenzentwicklung gemeinsam nach vorne bringen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview führte Matthias Koprek für KODE®.

 

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