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Learning Management
Systeme

Die Voraussetzung für E-Learning und Blended Learning Arrangements

Die Lerntechnologie bildet den Rahmen für innovative Lernsysteme mit E-Learning. Dabei stehen vor allem folgende Fragen im Vordergrund:

  • Wie können die selbstgesteuerten Lernprozesse ermöglicht werden, die initiiert werden sollen?
  • Wie können die Lerninhalte optimal „on demand“ zur Verfügung gestellt werden?
  • Wie kann das Lernen im Netz gefördert werden?
  • Wie können die Lernergebnisse zielgerecht bewertet und dokumentiert werden?

Ein Learning-Management-System (LMS) ist eine virtuelle Lern- und Kommunikationsplattform, die den Lernern im Bereich der Lernorganisation, der Dokumentation und der Kommunikation Lösungen bietet.

Aus den Erfordernissen für netzbasiertes Lernen leiten sich die Anforderungen an Learning-Management-Systeme ab (Erpenbeck, Sauter & Sauter 2015, S. 17):

 

Anforderungen an Learning-Management-Systeme

Die Bereiche eines Learning Management Systems

Die einzelnen Bereiche des LMS sind durch folgende Merkmale geprägt:

  • Lernorganisation: In diesem Funktionsbereich werden alle für den Lerner wichtigen Planungsunterlagen, z. B. Curricula, sowie die notwendigen Elemente für die formellen Lernprozesse gebündelt. Die Lerner finden dort das gesamte formelle Wissen, das Experten für ihre Lernprozesse zusammengestellt haben. Dies können interaktive Web Based Trainings (WBT), Videos, Podcasts oder auch Printmedien (PDF) sein, die der Lerner im Rahmen seines formellen Lernprozesses bearbeiten soll. Über ihr Profil können sich Lernpartner und Lerngruppen in diesem Bereich vorstellen. Weiterhin werden Testdaten festgehalten. Grundsätzlich können über diesen Bereich auch Kurse administriert werden, die ohne E-Learning-Elemente gestaltet werden, bei denen aber die begleitende Kommunikation der Teilnehmer, z.B. zum Austausch von Erfahrungswissen, unterstützt werden soll.
  • Dokumentation: In diesem Bereich speichern die Lerner ihre wesentlichen Ergebnisse aus individuellen und kooperativen Lernprozessen ab, auf die alle Kursmitglieder Zugriff haben sollen. Dies können Präsentationen, Case Studies oder Diskussionsergebnisse aus dem Themenspeicher sein.
  • Asynchrone Kommunikation: In betrieblichen, selbstgesteuerten Lernprozessen spielt diese Kommunikation eine besonders große Rolle. Die Anforderung synchroner Kommunikation, dass alle Beteiligten zur gleichen Zeit, wenn auch an unterschiedlichen Orten, zusammenkommen müssen, ist im betrieblichen Alltag meist nur schwer erfüllbar. Asynchrone Kommunikationswerkzeuge ermöglichen den zeitversetzten Austausch unter den Lernern sowie mit dem E-Tutor, dem E-Coach oder Trainer. Diese Kommunikation bietet sich insbesondere in den Fällen an, in denen die Lerner Zeit benötigen, um eine Aufgabe zu lösen, um zu reflektieren oder um die Frage vorab im Team zu diskutieren. Besondere Bedeutung haben in der Praxis Lernforen, die themenzentriert eingerichtet werden und in denen die Lerner Lernlösungen austauschen und diskutieren.
  • Synchrone Kommunikation: Dieser Austausch findet synchron, im direkten Kontakt, per Telefon oder in Webinaren (Online-Meetings), statt. Damit sind die Lerner in der Lage, unmittelbar auf Beiträge des Gesprächspartners zu reagieren, sodass sich in der Kommunikation schrittweise gemeinsame Ergebnisse entwickeln lassen. Diese Ausprägung der Kommunikation kennzeichnet insbesondere teilnehmeraktivierende Lernformen in Workshops, aber auch die Tandem- und Gruppenarbeit.

Die Kommunikationsinstrumente werden sowohl in synchroner als auch in asynchroner Ausprägung eingesetzt. Beide Ausprägungen ergänzen sich in den Lernarrangements. Voraussetzung dafür ist, dass die Kommunikation möglichst immer über das Learning-Management-System abgewickelt wird. Dialoge außerhalb des LMS, z. B. per WhatsApp oder E-Mail, verhindern, dass alle Lerner von den individuellen Lernprozessen ihrer Lernpartner profitieren. Hinzu kommt das Problem des Datenschutzes.

 

Unterstützung eigenverantwortlicher Lernprozesse mit Hilfe des KOPING-Verfahrens

Wir schlagen deshalb für die Begleitung in E-Learning-Konzepten das bewährte KOPING-Konzept vor.

KOPING ist ein Kunstwort, das an das englische Wort „coping“ (= „bewältigen“, „mit etwas fertig werden“) angelehnt ist. Gleichzeitig bedeutet der Begriff „KOmmunikative Praxisbewältigung IN Gruppen“.

Das KOPING-Verfahren beinhaltet in der Ausprägung, die sich in unseren E-Learning- und Blended-Learning-Konzeptionen bewährt hat, drei Sozialformen – Lerntandems, Lerngruppen und Kurse –, die in die vorgegebene Lernorganisation der Unternehmung eingebettet sind. Die Lerner bewegen sich grundsätzlich in einem geschlossenen System. Teilweise nutzen sie die Möglichkeiten der Suche und Klärung offener Fragen im Internet sowie im Intranet.

In der Stressforschung werden mit dem Begriff „coping“ die Anstrengungen oder Bemühungen einer Person bezeichnet, die diese zur Bewältigung von Anforderungen, Belastungen oder Konflikten unternimmt. Somit gibt dieser Begriff exakt die Zielsetzung betrieblicher Lernmaßnahmen mit dem Schwerpunkt des Wissensaufbaus und der Qualifikation wieder. Die Lerner sollen befähigt werden, ihre formellen Lernprozesse sowie den Transfer in die Praxis als Mitarbeiter oder Führungskraft zu bewältigen.

 

Mit Lerntandems und KOPING-Gruppen gemeinsam zum Erfolg

In einer Reihe von Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Belastungen und Stresssituationen besser bewältigt werden können, wenn die Menschen in ein Netzwerk aus gut funktionierenden sozialen Beziehungen integriert sind, emotionalen Austausch erfahren und sich potenzieller Hilfeleistung sicher sind. Das Ziel ist deshalb, dass sich die Netzwerkmitglieder in ihren Entwicklungsprozessen gegenseitig unterstützen.

Aus der Social-Support-Forschung ergeben sich die Anforderungen an wirksame Lern-Netzwerke:

  • System von Lern-Partnerschaften (Tandems) und Lern-Gruppen mit drei bis vier Tandems,
  • die Lernpartner wählen sich nach dem Prinzip der Sympathie, d. h. beide sollen sich akzeptieren und verstehen, sowie nach dem Grundsatz der Symmetrie, d. h. beide sollen gleich „mächtig“ sein,
  • dichte, direkte Beziehungen, die intensiv sowie vielartig sind und über einen längeren Zeitraum dauern,
  • einfache und unkomplizierte Kommunikationsmöglichkeiten,
  • homogener Erfahrungshintergrund,
  • Bereitschaft, sich anderen anzuvertrauen und auch evtl. Schwächen zu offenbaren,
  • Geben und Nehmen ist in etwa im Gleichgewicht,
  • verpflichtende, regelmäßige persönliche oder virtuelle Treffen,
  • vertraulicher Rahmen.

Deshalb können sich wirksame Lerntandems und KOPING-Gruppen nur selbst, ohne Einflussnahme von außen, finden. Die soziale Unterstützung in Lerntandems und KOPING-Gruppen weist dabei zwei Dimensionen auf:

  • Sozio-emotionale Stabilisierung: Die Lernpartner bzw. die Gruppe vermitteln das Gefühl, aufgehoben und umsorgt zu sein und Anteilnahme zu erfahren. Die Lerner werden dadurch motiviert, Verhaltensweisen zu ändern und verpflichten sich auf gemeinsame Ziele, Werte und Normen. Wie bedeutend diese Aspekte für den Lernerfolg sind, wurde in den umfassenden Untersuchungen von John Hattie auf der Basis von 50.000 Studien deutlich, die zeigten, dass Zuwendung, Empathie, Ermutigung, Respekt, Engagement und Leistungserwartungen sowie das soziale Miteinander eine zentrale Rolle in den Lernprozessen spielen. Damit bestätigte Hattie einen großen Teil der in den letzten Jahrzehnten gewonnen lernpsychologischen Erkenntnisse (vgl. Hatti 2009).
  • Konkrete Hilfe: Die Lernpartner beraten sich bei Problemen und Vorhaben gegenseitig, diagnostizieren Herausforderungen, brechen Handlungsroutinen auf, suchen Alternativen und verdichten gemeinsames, auch wertbeladenes Wissen. Sie entwickeln Ideen, tauschen Erfahrungswissen und Informationen aus und nutzen gemeinsam ihre Materialien. In gegenseitiger Absprache übernehmen sie konkrete Aufgaben, z. B. Recherchen, deren Ergebnisse sie gemeinsam verarbeiten.

Damit besitzen KOPING-Gruppen eine deutlich andere Qualität als beispielsweise Communities im Netz. Es handelt sich um enge Partnerschaften für einen bestimmten oder unbegrenzten Zeitraum.

Das KOPING-Verfahren hat sich in der Praxis seit nunmehr weit über 20 Jahren, zunächst ohne Neue Medien, in selbstorganisierten Lernprozessen hervorragend bewährt. Es bildet letztendlich die Grundlage dafür, dass diese eigenverantwortlichen Lernprozesse der Teilnehmer mit einer sehr hohen Erfolgswahrscheinlichkeit behaftet sind. Hinzu kommt, dass die gegenseitige Unterstützung im KOPING-Verfahren wesentlich dazu beiträgt, die notwendige Kultur des selbstorganisierten Lernens in Netzwerken aktiv zu fördern. Gleichzeitig wird der Aufwand für das E-Tutoring und das E-Coaching erheblich reduziert, da die Lerner zunächst versuchen, ihre Lernprobleme mit Lernprogrammen allein, mit Lernpartnern, in der Lerngruppe sowie im Netzwerk zu lösen. Der E-Tutor verändert deshalb seine Rolle tendenziell vom Fachexperten zum Lernbegleiter, der insbesondere methodische Unterstützung gibt, bis hin zum E-Coach.

 

Kooperation

 

Lernbegleitung durch E-Tutoren

In E-Learning-Umgebungen übernehmen E-Tutoren als Entwicklungspartner der Lerner die Aufgabe, ihnen zu helfen, bisherige handlungssteuernde Prozesse und Strukturen entsprechend der Lernziele aufzubrechen bzw. zu verändern. Sie planen die jeweiligen einzelnen Lern-Arrangements, moderieren Kick-off- Veranstaltungen, häufig als Webinar gestaltet, und flankieren die selbstorganisierten Lernprozesse.

E-Tutoring bezeichnet die sozio-emotionale und fachliche Flankierung, Betreuung und Überwachung der Lerner in E-Learning-Systemen im persönlichen Kontakt, per Telefon und vor allem über digitale Kommunikationsformen.

Als Lernbegleiter motivieren die E-Tutoren die Lerner, geben Hilfestellungen bei Problemen und fördern die Kommunikation in der Gruppe. Die E-Tutoren organisieren und überwachen die Lernprozesse der Teilnehmer und geben ihnen Rückmeldung.

Mittels Reflexions- und Transferaufgaben können sie Kompetenzentwicklungsprozesse in der Praxis initiieren. Aufgrund des engen Kontaktes zu den Teilnehmern und ihrer praktischen Erfahrung mit den jeweiligen E-Learning-Systemen übernehmen E-Tutoren in der didaktisch-methodischen Planung und Weiterentwicklung von Qualifizierungsmaßnahmen eine zentrale Rolle. Dafür benötigen diese Lernbegleiter eine umfassende Handlungskompetenz als Moderator und Lernbegleiter, die im Einzelnen folgende Elemente umfasst:

  • Erweiterter Handlungsspielraum durch die Beherrschung vielfältiger Methoden zur Aktivierung der Lerner,
  • psychische Sicherheit und Risikobereitschaft im Umgang mit Lerngruppen,
  • zielgerichtetes Planungshandeln für Kickoffs und evtl. Webinare, selbstorganisierte Lernphasen und evtl. Coachinggespräche,
  • die Fähigkeit, eine Lernkultur aktiv zu fördern, die durch Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Lerner geprägt ist.

Als wichtigster Schutzschild für selbstorganisierte Lernprozesse haben sich in der Praxis Lerntandems erwiesen. Folgende Elemente prägen erfolgreiche E-Learning- und Blended Learning Arrangements:

  • Lerntandems bestehen aus zwei, manchmal auch drei Lernern, die auf Dauer kooperieren wollen. Durch die Zusammenarbeit mit einer vertrauten Person können es die Lernpartner leichter schaffen, ihre Handlungsroutinen zu unterbrechen und ihre Aufgaben in ihren individuellen Lernprozessen zu lösen. Sie stabilisieren sich sozio-emotional und helfen sich gegenseitig.
  • KOPING-Gruppen bestehen aus meist drei, maximal vier Tandems. Die Gruppen treffen sich online regelmäßig oder bei Bedarf, um sich gegenseitig zu motivieren und ihre Lernprozesse gegenseitig zu unterstützen. Sie organisieren sich entweder im Rahmen von Handlungsanleitungen der Tutoren oder handeln selbstorganisiert. Bei offenen Fragen, die die Lerntandems nicht allein lösen können, unterstützen die Lerngruppen nach Möglichkeit die einzelnen Tandems. Sehr bewährt haben sich komplexe, transferorientierte Arbeitsaufträge für die Lerngruppen, die arbeitsteilig bearbeitet und deren Ergebnisse im Regelfall in der Learning Community präsentiert und diskutiert werden.
  • Der Lernkurs tauscht in der Learning Community und evtl. in Webinaren Lösungen zu offenen Aufgaben aus und gibt sich dazu gegenseitig Rückmeldungen.
  • Learning Communities sind virtuelle, geschlossene Lerngemeinschaften im Rahmen eines geplanten Qualifizierungspfades, die online über ein Learning-Management-System miteinander kommunizieren. Sie werden durch den Trainer bzw. E-Tutor über Übungen, Fallstudien oder Transferaufgaben initiiert und gesteuert. Im Regelfall begleitet der E-Tutor diese Lernprozesse, indem er Lösungen der Lerner kommentiert oder ergänzt. In den Präsenzseminaren werden Übungen, Fallstudien oder Rollenspiele bearbeitet, Ergebnisse von Gruppenarbeiten präsentiert und diskutiert und bei Bedarf Wissenslücken gefüllt.
  • Webinare (Live E-Learning, Live Lessons) sind Online-Treffen, die jeweils zu einem definierten Termin im Web durchgeführt werden.

Der Erfolg von E-Learning-Systemen hängt wesentlich von der Qualität der WBT und weiterer Selbstlern-Materialien, aber auch der Lernbegleitung und damit von der Kompetenz und dem Engagement der E-Tutoren ab. Besitzen sie nicht die erforderliche Fachkompetenz und fehlt ihnen die notwendige didaktisch-methodische Kompetenz, kann auch ein gut geplantes E-Learning-Konzept nur mit mangelndem Erfolg enden.

 

Herr Prof. Dr. Werner Sauter ist wissenschaftlicher Berater und Senior Consultant der KODE GmbH. Er entwickelt mit Organisationen und Bildungsanbieter innovative Lernlösungen mit dem Ziel der selbstorganisierten Werte- und Kompetenzentwicklung auf Basis der Ermöglichungsdidaktik. Er gestaltet und begleitet Kompetenzentwicklungsmaßnahmen für Learning Professionals und Führungskräfte in einem Social Blended Learning Arrangement. Gemeinsam mit Prof. Dr. John Erpenbeck hat er eine Vielzahl von Fachbüchern zur Werte- und Kompetenzentwicklung veröffentlicht. Auf unserem KODE® Blog veröffentlicht er in regelmäßigen Abständen Beiträge zu den Themen Corporate Learning sowie Werte- und Kompetenzentwicklung.

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