KODE® im Gespräch

mit Natascha Aust

3. Platz bei den KODE® Best Practice Awards 2018

 

Natascha Aust von der Polizeidirektion Braunschweig – die von der Jury als Pionierin im öffentlichen Dienst bezeichnet wird – wurde für das Bestreiten neuer Wege in der Personalentwicklung bei einer Länderpolizei mit dem dritten Platz bei den KODE® Best Practice Awards 2018 ausgezeichnet. Im Interview mit Matthias Koprek spricht sie über den praktischen Einsatz von KODE® und die Herausforderungen, mit denen sich die Polizei aktuell und in Zukunft konfrontiert sieht.

Liebe Frau Aust, Gratulation zum KODE® Best Practice Award! Wie fühlen Sie sich, nachdem Sie gerade auf der Bühne ausgezeichnet wurden?

Ich bin sehr stolz darauf, dass wir diesen Preis bekommen haben, weil ich im Vorfeld auch nicht unbedingt damit gerechnet habe. Zumal es aus Sicht anderer KODE®-Berater oder Unternehmen vielleicht nur ein relativ kleiner Schritt ist, den wir mit unserem Projekt gemacht haben. Aber für uns ist es ein ganz großer Schritt. Insbesondere den Blick von der reinen Wissensvermittlung in Richtung Kompetenzentwicklung zu lenken. Dass das jetzt durch den Best Practice Award von einem Gremium, das ich sehr schätze, anerkannt wurde, finde ich ganz großartig.

 

Glauben Sie, dass es bei der Polizei – oder allgemein im öffentlichen Dienst – schwieriger ist, die Verantwortlichen von einem System wie KODE® zu überzeugen, als in der freien Wirtschaft?

Ich glaube ja, weil wir natürlich nicht so unter dem Druck stehen, dass wir agiler werden müssen. Deswegen ist es glaube ich bei uns immer ein Stück weit langsamer, bis man erkennt, dass Veränderungen auch Auswirkungen auf uns im öffentlichen Dienst haben. Und dass wir uns diesen Themen auch gar nicht verschließen können. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass das jetzt auch durch den Preis anerkannt wurde.

 

Nehmen Sie als Polizeidirektion Braunschweig eine Vorreiterrolle bei den Polizeibehörden ein, was das Thema Kompetenzmanagement und Kompetenzentwicklung angeht?

Ich glaube wir nehmen da schon eine Vorreiterrolle ein, weil wir zumindest nach meinem Kenntnisstand die einzige deutsche Polizeibehörde sind, die überhaupt mit KODE® arbeitet. In Niedersachen hat unser Projekt mittlerweile dazu geführt, das KODE® und die Begriffe Kompetenzmanagement und Kompetenzentwicklung auch in den anderen Behörden Anklang gefunden haben. Ich war mit unserem Projekt und der Idee die dahintersteckt, schon in einigen anderen niedersächsischen Polizeibehörden und durfte das Projekt auch schon in hochkarätigen Gremien vorstellen. Dabei merkt man, dass da ein großes Interesse besteht.

Natürlich gibt es auch noch ein paar Fragezeichen bei den Verantwortlichen anderer Behörden. Wie funktioniert denn Kompetenzentwicklung jetzt so genau? Wie man Sollprofile kreiert und eine Diagnostik drauflegt ist soweit klar. Aber die große Frage ist immer: Wie können wir danach die Kompetenzen gezielt entwickeln?

Das ist jetzt auch für uns noch die ganz große Herausforderung. Wir haben zwar schon erste kleine Schritte vollzogen, aber ich habe auch gespannt die Vorträge auf dem Brush Up verfolgt, die verschiedene Ansätze schildern. Und auch, dass es jetzt von KODE® Unterstützung im virtuellen Bereich gibt, habe ich mit großem Interesse aufgenommen.

Das sind so Sachen, da sind wir auch noch ein bisschen langsamer unterwegs. Auch wenn wir E-Learning bereits stellenweise eingebunden haben. Ich glaube, je mehr man solche Instrumente einsetzt und je mehr man das publik macht, desto eher schafft man Veränderung in den Köpfen. Dahingehend, das auch wir moderner und innovativer werden können. Da steckt eine ganz große Chance hinter.

 

Wie genau und für welchen Personenkreis setzen Sie KODE® in der Praxis ein? Wie ist die Akzeptanz aber auch die Resonanz derjenigen, denen das Verfahren angeboten wurde und die es letztlich durchlaufen haben?

Wir haben KODE® in einem Pilotprojekt für die Führungsebene ausprobiert. Das sind die Spitzenfunktionen im gehobenen Dienst. Die haben sich angeboten, weil wir für diesen Bereich in der Polizeidirektion Braunschweig bereits ein konkretes Förderkonzept haben. Es gibt ein Auswahlverfahren und entsprechende Maßnahmen, die dann aufsatteln, wenn man dieses Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen hat. Im Rahmen des Pilotprojekts haben wir die Kompetenzdiagnostik mit KODE® erstmals auf freiwilliger Basis angeboten. Also nicht als Auswahlinstrument, sondern als Entwicklungsinstrument.

Wir haben im Vorfeld ein Sollprofil kreiert. Allein die Tatsache, jetzt ein konkretes Bild davon zu haben, wie unsere Führungskräfte eigentlich aussehen sollen, war für uns beinahe schon revolutionär. Wobei ich nicht sagen will, dass wir dieses Bild der Führungskräfte vorher nicht hatten. Nur halt nicht so konkret und nicht auf Kompetenzen bezogen.

Das hat erst einmal zu Irritationen geführt. Natürlich haben sich die Betroffenen gefragt, was wir da überhaupt machen. Also haben wir Informationsveranstaltungen für die potentiellen Teilnehmer angeboten. Zuvor haben wir natürlich noch das Top-Management über das Verfahren und die Gründe aufgeklärt, warum wir es anwenden. Weil wir nicht alle über Informationsveranstaltungen erreichen konnten, haben wir sogar ein kleines Erklärvideo gebastelt.

Uns war es immer ganz wichtig deutlich zu machen, dass wir die Kompetenzdiagnostik auf freiwilliger Basis anbieten und niemanden dazu zwingen. Im Beamtenbereich finden alle drei Jahre Beurteilungen statt, die letztlich auch die Grundlage für die Beförderungen sind. Auch hier haben wir deutlich gemacht, dass weder die Teilnahme noch das Ergebnis der Diagnostik Einfluss auf mögliche Beurteilungen haben. Die Ergebnisse fließen noch nicht einmal in die Personalakte. Es ist wirklich ein persönliches Ergebnis, das nur mit dem KODE®-Berater, also mit mir, diskutiert und nicht weitergegeben wird. Das hat geholfen.

Wir haben letztlich mehr Freiwillige gehabt, als wir eigentlich für das Projekt vorgesehen haben. So hatten wir fast schon Probleme das ganze Projekt zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Die Resonanz nach den Feedback-Gesprächen war durch die Bank weg positiv. Alle haben gesagt: Das war transparent, das kann ich nachvollziehen, das verstehe ich. Es ist ganz wichtig, dass die Teilnehmer den Sinn dahinter verstehen und sich nicht ratlos fragen, was das ganze jetzt soll. Da wir noch keine konkreten Seminare haben, die wir jetzt hätten anbieten können um an den einzelnen Kompetenzen zu arbeiten, haben wir den Teilnehmer die Möglichkeit gegeben, mit den MITs selbst an sich zu arbeiten.

Die positive Resonanz war für uns Motivation, die Kompetenzdiagnostik mit KODE® nun auch stetig anzubieten. Das heißt, für die Führungsebene ist das bei uns mittlerweile implementiert. Zudem haben wir das Verfahren jetzt auch ausgeweitet und wenden es bei Bewerbungen für den Höheren Dienst an. Hier machen wir zusätzlich sogar noch eine Fremdeinschätzung durch den Vorgesetzten, damit wir irgendwann in Richtung 360-Grad-Feedback kommen.

Außerdem bieten wir die Kompetenzdiagnostik unseren jungen Frauen an, für die wir in der niedersächsischen Polizei ein Mentoring-Programme haben, um Frauen für ihre erste Führungsposition zu entwickeln. Auch hier auf freiwilliger Basis und es wird ebenso gut angenommen.

Wir haben vor das Verfahren auch noch weiter auszudehnen. Wir müssen allerdings darauf achten, dass die Gruppen nicht zu groß werden und handhabbar bleiben. Zudem wollen wir nicht, dass es ein beliebiges Instrument wird, das jeder nutzt, sondern dass es schon noch etwas Besonderes bleibt.

 

Gerade bei der Polizei spielen Kompetenzen ja eine herausragende Rolle, wenn es zum Beispiel um die verschiedenen Gefahrensituationen geht. Wie wurde bisher sichergestellt, dass die Beamten auch über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um bei einem Einsatz entscheidungs- und handlungsfähig zu sein?

Es gibt natürlich ganz klassisch Seminare, wo aber in ganz vielen Fällen die Wissensvermittlung an erster Stelle steht. Das ist ja in Teilen auch wichtig, weil es ganz viele Bereiche gibt, wo man einfach auch Fachwissen benötigt. Insbesondere in der Aus- und Fortbildung, für die unser Dezernat zuständig ist. Wir bieten zudem ganz unterschiedliche Trainings an, zum Beispiel zur Eigensicherung. Aber auch Anti-Terror-Trainings. Da lernen die Teilnehmer, wie sie in bestimmten Situationen richtig reagieren. Natürlich ist die Kompetenzentwicklung zumindest in Teilen jetzt schon Bestandteil dieser Trainings.

Vor dem Hintergrund, dass sich die Gesellschaft immer schneller wandelt und wir beispielsweise auch durch die Digitalisierung, aber auch durch die terroristische Bedrohungslage, immer mehr Kriminalitätsphänomene haben, glaube ich persönlich, dass wir es zukünftig gar nicht mehr schaffen werden, die Kolleginnen und Kollegen für jedwede Situation, die auf sie zukommen kann, vorzubereiten. Von daher sind wir – genau wie es die Definition von Kompetenzen vorsieht – darauf angewiesen, den Polizistinnen und Polizisten so viel Handlungssicherheit zu geben, dass sie unbekannte und unerwartete Situationen meistern können. Das wird zunehmend wichtiger und ist die einzige Chance auch in Zukunft handlungsfähig zu bleiben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview führte Matthias Koprek für KODE®.

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