KODE® im Gespräch

mit Prof. Dr. Thomas Apitzsch

Gewinner des KODE® Best Practice Awards 2018

 

Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung auf dem KODE® Brush Up 2018 in Nürnberg zeichnete die unabhängige Jury Prof. Dr. Thomas Apitzsch von der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning mit dem KODE® Best Practice Award aus. Erhalten hat Prof. Dr. Apitzsch die Auszeichnung für die Kompetenzidentifikation und Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter und Trainer des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Nürnberg.

 

Herr Prof. Dr. Apitzsch, wie fühlt es sich an die Trophäe für den ersten Platz in den Händen zu halten? Was bedeutet der KODE® Best Practice Award für Sie persönlich und was bedeutet die Auszeichnung für Ihre Hochschule?

Zunächst einmal bin ich sehr überrascht und freue mich natürlich sehr diese Auszeichnung bekommen zu haben. Es ist für uns eine tolle Anerkennung. Ich bin sehr stolz auf meine Hochschule, die mir dieses Projekt ermöglicht hat. Dazu hat auch das Internationale Fußballinstitut beigetragen, das an unsere Hochschule angeschlossen ist. Es hat dabei geholfen den Kontakt herzustellen und hat das Projekt auch begleitet. Mein besonderer Dank gilt natürlich dem 1. FC Nürnberg und dem dortigen Trainerteam, das die Bedeutung von Kompetenzen erkannt und aufgegriffen hat und dieses Projekt seit mittlerweile drei Semestern mit uns durchführt.

 

Wie schwierig war es den Fußballbundesligisten von dem Projekt zu überzeugen?

Wenn du den entscheidenden Chef des Fußballleistungszentrums gewonnen hast, ist es nicht mehr schwer. Von Vorteil ist sicher auch, dass Herr Köllner während des laufenden Projekts zum Cheftrainer des 1. FC Nürnberg avanciert ist und dort ebenfalls einen sehr guten Job macht. Bisher mit ausgeglichener Bilanz in der Liga. Heute Nachmittag ist wieder ein Spiel gegen Hoffenheim, deshalb ist auch heute kein Vertreter des Vereins vor Ort.

Aber Herr Köllner ist von dem Thema Kompetenzen völlig überzeugt und lebt das Ganze auch als Cheftrainer. So muss beispielsweise jeder Spieler des 1. FC Nürnberg, der neu zum Verein kommt, einmal die historische Museumstour machen, damit er auch mehr oder weniger die DNA des Vereins versteht. Und die Kompetenzen miteinander zu leben ist tatsächlich ein Credo, welches der 1. FC Nürnberg versucht umzusetzen.

 

Die Auszeichnung soll sowohl als Anreiz für die Anwendung dienen, als auch den visionären Gedanken der Kompetenzentwicklung und des Kompetenzmanagements veranschaulichen. Welchen Anreiz und welche Motivation bietet Ihnen der KODE® Best Practice Award?

Aus dem Piloten heraus wollen wir tatsächlich auch ein Produkt für die Nachwuchsleistungszentren in Deutschland schaffen. Wir sind ja jetzt auf der ersten Ebene an den Mitarbeitern und Trainern. Wir haben aber natürlich auch die Spieler und Spielerinnen im Blick, die in diesen Nachwuchsleistungszentren tätig sind. So dass wir hier noch sehr viel Entwicklungspotential sehen.

 

Was denken Sie, wie offen sind die Vereine für ein solches Produkt?

Dr. Kreuser hat es schon in seiner Laudatio angedeutet: Es gibt auch im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens der Nachwuchsleistungszentren einen Pluspunkt, wenn beispielsweise Maßnahmen im Bereich der Personalentwicklung dokumentiert werden können. Von daher gibt es auch für die Vereine eine Motivation in diesem Bereich tätig zu werden. Zumal viele Institutionen dann auch merken, dass die strategischen Ziele, die sie sich selbst gesetzt haben, über Kompetenzentwicklungsmaßnahmen nachhaltiger erreicht werden. Gerade in der Arbeit mit dem 1. FC Nürnberg ist herausgekommen, das die Nachhaltigkeit im Handel auch auf Seiten des Clubs ein wichtiger Faktor ist.

 

Das hat auch der Deutsche Fußballbund erkannt …

Ja, die Anerkennung des Deutschen Fußballbunds besteht in der Lizensierung des Nachwuchsleistungszentrums. Und dabei ist natürlich Personalentwicklung ein Thema. Da geht es zwar auch um klassische Faktoren wie Infrastruktur, etc., aber die Investition in die Weiterentwicklung der Mitarbeiter und Trainer ist auf jeden Fall ein in Zukunft immer wichtiger werdender Punkt. Auch für den Deutschen Fußballbund.

 

Das heißt, Sie sehen den Schwerpunkt in der Nachwuchsförderung? Oder ist das Thema Kompetenzentwicklung grundsätzlich auch für etablierte Sportler interessant?

Auch das ist denkbar. Dort ist es aber bisher noch nicht üblich, zum Beispiel mit Spielern auch mal ein Assessment zu machen. Aber nichts ist unmöglich. Das wurde uns ja auch heute in der Keynote von Peter Spiegel wieder deutlich gemacht.

 

Der Winter steht vor der Tür und damit auch die Winterpause. Mit welchen Sportlern haben Sie im Zusammenhang mit Kompetenzmanagement schon aktiv zusammengearbeitet und mit welchen haben Sie es noch vor?

Ich kann mir einige Sportler vorstellen, für die das interessant und hilfreich wäre, werde hier und heute aber keine Namen nennen. (lacht)

 

Welchen Stellenwert hat das Kompetenzmanagement in Ihrer Arbeit an der Hochschule – gerade mit Blick auf den Transformationsprozess von der Wissensvermittlung hin zur Kompetenzentwicklung.

Einen sehr hohen Stellenwert! Mein Credo ist immer: Ich höre und vergesse, ich sehe und behalte, ich tue und verstehe. Im Sinne von "tue und verstehe" versuche ich für die Studierenden immer Nähe zum Produkt zu schaffen. So sind wir im Rahmen von Projektmodulen sehr viel bei der Wirtschaft draußen, wo wir in Projekten auch schon aktiv mitarbeiten. Wir haben die Anwendungsorientierung ja schon im Namen: Hochschule für angewandtes Management.

Wir machen selber sehr viele Projekte gemeinsam mit unseren Studierenden. Evaluierungen zum Beispiel, die wir unter anderem bei der Biathlon-WM und bei der Vierschanzentournee durchgeführt habe. Aber wir führen auch Machbarkeitsstudien für die Veranstaltung von Rodel-Weltmeisterschaften durch. Wir sind mit den Studierenden also sehr viel im Feld. Und genau dort, in den Projekten, erwerben sich die Studierenden natürlich auch die notwendigen Kompetenzen für die Zukunft.

 

Der Wintersport scheint einer Ihrer Schwerpunkte zu sein. Grundsätzlich sehen Sie aber keine sportliche Disziplin, in der Kompetenzen keine Rolle spielen?

Absolut nicht. Kompetenzen sind in jeder Sportart unverzichtbar. Durch unsere regionale Nähe, auch zu den Alpen, haben wir persönlich natürlich viele Bezüge zum Wintersport. Wir haben auch viele Leistungssportler aus diesem Bereich, die bei uns studieren. Die Skifahrerin Viktoria Rebensburg, Skilangläufer Tobias Angerer und Skispringer Andreas Wellinger zum Beispiel, der jetzt sehr erfolgreich bei der letzten Olympiade war. Die machen bei uns ein duales Studium und können das sehr gut mit dem Sport verbinden. So haben wir also schon allein durch unsere Studierenden einen sehr hohen Bezug zu den jeweiligen Sportarten.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview führte Matthias Koprek für KODE®.

 

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