Interview mit Prof. Dr. Lothar Schäffner zum KODE® Best Practice Award 2020

Prof. Dr. Lothar Schäffner ist KODE® Berater der ersten Stunde. Der Erziehungswissenschaftler, der seit 1976 am heutigen Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Hannover lehrt, ist bereits zum siebten Mal Juror bei der Vergabe des KODE® Best Practice Awards. In diesem Interview blickt er auf seine Erfahrungen mit KODE® und seine Tätigkeit als Jury-Mitglied zurück, gibt Einblicke in die Auswahl der Preisträger und erklärt die Besonderheiten dieses Preises.

 

Wie lang beschäftigen Sie sich bereits mit KODE®?

Mit KODE® beschäftige ich mich seit den Anfängen dieses Instruments oder besser gesagt, dieser Sicht, die Menschen in Unternehmen und Organisationen wahrzunehmen und einzuschätzen. Nachdem ich meinen Kollegen Volker Heyse zu Beginn der 90er Jahre kennengelernt hatte, gehörte ich zu den ersten, die die Ausbildung als KODE®-Trainer machten.

KODE® wandte ich als Trainer in verhaltensorientierten Seminaren vor allem für Ingenieure und Führungskräfte an, die sich gerne an Daten und Fakten halten. Ziel war es, diese für Themen zu interessieren, die sich auf der Beziehungsebene verorten lassen und nicht zuvorderst auf ihrer Agenda standen.

Unter wissenschaftlicher Sicht habe ich mich vor allem um die Ermittlung von Kompetenzprofilen für bestimmte Berufe bemüht, so z. B. für Flugkapitäne oder für Ärzte sowie dem Kompetenzbedarf für bestimmte gesellschaftliche Handlungsfelder, wie z. B. dem Umgang mit Konflikten.

 

Was zeichnet für Sie ein würdiges Preisträgerprojekt beim KODE® Best Practice Award aus?

Für mich sind es vor allem Vorhaben interessant, die KODE® in seiner Anwendung hinsichtlich seines Nutzens für die Personalentwicklung anschaulich, originell, vielfältig und zukunftsgerichtet verdeutlichen.

Insofern sollten sie folgende Kriterien erfüllen:

  • den Kompetenzbezug
  • den Praxisbezug
  • die Qualität
  • den Innovationsgehalt
  • den Nutzen

und möglichst noch

  • die Mittelstandseignung.

 

Welcher ehemalige Preisträger oder welches preisgekrönte Projekt ist bei Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

2018 war es mein Kollege Prof. Dr. Thomas Apitzsch von der Hochschule für angewandtes Management mit seinem Projekt mit dem Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg. Das hatte zunächst aber nichts mit der Frage der Qualität zu tun, sondern mit einer amüsanten Begleiterscheinung.

Als die Frage anstand, ob das Projekt von Herrn Apitzsch mit dem Fußballclub 1. FC Nürnberg preiswürdig sei, war gerade das Bundesligaspiel zwischen Nürnberg und dem Fußballclub Hannover 96 aus meiner Wahlheimat angesetzt. Ich sagte damals scherzhaft zu meinen Mitjuroren, meine Entscheidung hinge von dem Ausgang dieses Spieles ab. Und machte im Hinterkopf ein positives Votum von einem Sieg Hannovers abhängig.

Es kam jedoch anders. Mein Heimatverein verlor. Ein Reframing half mir dann aber doch, für das Nürnberg-Projekt zu stimmen. Es bestand in dem Hilfs-Argument: Wenn Nürnberg nun gewonnen hat, kann das nur an dem KODE®-Projekt liegen, das Herr Apitzsch dort umgesetzt hat.

 

Was haben Sie persönlich in Ihrer Funktion als Juror des KODE® Best Practice Awards gelernt?

Ich musste mich an eine andere Entscheidungsqualität als die übliche im Alltag eines Hochschullehrers gewöhnen. Ein Hochschullehrer kann seine Beurteilung grundsätzlich auf die jeweilige Einzelleistung beziehen und die Bewertung durch eine Note zum Ausdruck bringen. Eine Relation zwischen den einzelnen Bewertungen ergibt sich nur indirekt. Es wäre sogar möglich, alle Leistungen mit der gleichen Note zu bewerten.

Als Juror ist man nun aber gezwungen, nicht nur ein Ranking zu erstellen, sondern auch eine Auswahl zu treffen, welche die einen zu Preisträgern macht, die anderen aber ausschließt, obwohl deren Leistung ebenfalls gut ist. Dies machte mir die Arbeit nicht leicht. Zum Glück hatte ich mit Prof. Dr. Erpenbeck und Dr. Kreuser zwei Mitjuroren, auf deren Urteil ich mich schon seit vielen Jahren verlassen kann. Zusammen bekommen wir ein gerechtes Urteil dann meiner Meinung nach doch gut hin.

 

Welche Botschaft haben Sie an alle, die mit den Verfahren von KODE® arbeiten?

Beteiligen Sie sich an dem Award. Wenn Sie zu den Preisträgern gehören, gewinnen Sie auch an Renommee gegenüber Ihren Auftraggebern und Finanzträgern. Dies ist nicht unwichtig für Unternehmensbereiche, die für viele auf den ersten Blick nur Kosten aber keinen schnellen Gewinn einbringen.

Aber auch, wenn Sie nicht ausgezeichnet werden, hat Ihre Bewerbung einen enormen inneren Wert für diejenigen, die an dem Projekt mitwirken. Es ist ein Mittel, um einzelne Anstrengungen zu bündeln und Ihnen eine gemeinsame Gestalt zu geben. Und falls es in diesem Jahr nicht klappt, hat man so viel Erfahrung gesammelt, dass die Chancen bei einem nächsten Versuch stark wachsen. Also lassen Sie sich auf keinen Fall entmutigen.

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